AD Classics: Wohnhaus Schlesisches Tor (Bonjour Tristesse) / Álvaro Siza Vieira + Peter Brinkert

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AD Classics: Wohnhaus Schlesisches Tor (Bonjour Tristesse) / Álvaro Siza Vieira + Peter Brinkert

Bonjour Tristesse ist ein soziales Wohnprojekt des portugiesischen Architekten Álvaro Siza Vieira. Das in Berlin gelegene Projekt war das erste von Siza außerhalb seines Heimatlandes gebaute Werk. Sizas Design bietet einen bedeutenden Präzedenzfall für die Verdichtung in Städten und zeigt ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Kontextbewusstsein, kreativer Freiheit und progressiver Vision.

Bonjour Tristesse wurde 1980 in Auftrag gegeben und war eines der vielen Projekte, die für die Internationale Bauausstellung Berlin von 1987 entworfen wurden. Architekten wie Peter Eisenman, Aldo Rossi, James Sterling und Álvaro Siza wurden eingeladen, zum Wiederaufbau eines Nachkriegsberlines beizutragen . Die Projekte für die Ausstellung sollten mit einem Fokus auf sanfte Stadterneuerung und kritischem Wiederaufbau gestaltet werden.

Das Wohnprojekt von Siza befindet sich im Stadtteil Kreuzberg, an der Ecke eines Blocks aus dem 19. Jahrhundert. Da das ursprüngliche Eckgebäude im Krieg zerstört wurde, blieb zwischen den Gebäuden auf jeder Seite eine große Leere. Nach dem Krieg wurde eine Reihe einstöckiger Einzelhandelsgeschäfte errichtet, die jedoch nicht den Höhen der umliegenden Gebäude entsprachen und keine dringend benötigten Wohnungen zur Verfügung stellten. 1980 wurden die Einzelhandelsgeschäfte abgerissen, um Platz für die neue Bonjour Tristesse zu schaffen.

Projektstandort vor dem Bau Bild © Flickr-Benutzer Hen's March

Die siebenstöckige Struktur zeigt die kontextuelle Natur von Sizas Arbeit, die für ihre Sensibilität für die Umgebung bekannt ist. Das auffälligste Merkmal des Entwurfs ist seine durchgehende, geschwungene Fassade, die die angrenzenden Gebäude verbindet und die Ecke des Blocks effektiv ausfüllt. Diese skulpturale Geste wird auch an der Rückseite des Gebäudes von einer kleinen konkaven Biegung widergespiegelt. Ein weiteres Merkmal seiner Morphologie ist das subtile Anheben der Dachlinie in Richtung der Ecke. Das graue Äußere wird von einem dichten und regelmäßigen Fenstergitter durchdrungen, das die typische Ordnung und den Rhythmus der umliegenden Gebäude widerspiegelt.

Typischer Grundriss

Elevation

Das Sozialwohnungsprojekt Bonjour Tristesse erscheint visuell faszinierend und widersprüchlich. Während das starre Fenstermuster sich in seine Umgebung einfügen soll, soll die krummlinige Form eine Referenz auf den deutschen Expressionismus sein und kontrastiert damit mit seiner Umgebung. Diese Nebeneinanderstellung verleiht der Struktur ein äußerst einzigartiges Erscheinungsbild. (1)

In einem gemischten Gebäude beherbergt Bonjour Tristesse gewerbliche Einrichtungen im Erdgeschoss und Wohngebäude in den sechs darüber liegenden Etagen. Ein früher Entwurfsvorschlag umfasste 24 Einheiten und 4 Treppenstufen. Diese wurden jedoch auf 46 Einheiten und 2 Treppenstufen überarbeitet, um den dringenden Wohnungsbedarf in Kreuzberg besser zu decken.

Das Projekt wurde als Bonjour Tristesse („Hallo Traurigkeit“ auf Französisch) für die Graffitimarkierung bekannt, die in den späten achtziger Jahren auf dem obersten Teil der Fassade erschien. Siza, der Graffiti nicht besonders mag, hatte ursprünglich gewollt, dass es entfernt werden sollte, entschied sich jedoch dafür, es zu verlassen, nachdem er erkannt hatte, dass das Malen über dem ausgewählten Bereich es prominenter machen würde und dass das Malen der gesamten Fassade finanziell nicht möglich war. (2)

Bonjour Tristesse wurde in einer Zeit errichtet, in der die Regenerierung Berlins notwendig war. Das Sozialwohnungsprojekt in Berlin, sein erstes Projekt außerhalb Portugals, erhöhte seine internationale Anerkennung und führte zu einer Zunahme globaler Projekte. Siza, bekannt für seine Fähigkeit, Projekte im urbanen Kontext zu integrieren, gewann später den Pritzker-Preis von 1992.

Skizzieren

Quellen:
(1) Leoni, G. Álvaro Vieira (Mailand: Motta, 2009).
(2) Winant, P. Street Art: Fassaden - Mit der Zeit umziehen (Worms, Deutschland: Renolit SE).

  • Architekten

    Álvaro Siza Vieira, Peter Brinkert

  • Ort

    Schlesische Straße 8, 10997 Berlin, Deutschland

  • Verantwortlicher Architekt

    Álvaro Siza Vieira

  • Projektjahr

    1984

  • Fotografien

    via Wikipedia Commons, Flickr-Benutzer Hen's March, Flickr-Benutzer Humberto Marum, Flickr-Benutzer lortnoc

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