Wenn Tröpfchen Raum schaffen: Ein Blick auf die flüssige Architektur

Anonim

Wenn Tröpfchen Raum schaffen: Ein Blick auf die flüssige Architektur

Licht im Wasser, 2015. Paris. Architekten: DGT Architects. Fotograf: Takuji Shimmura. Bild © DGT Architects

Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Beziehung der Architektur zum Wasser auf verschiedenen Wegen entwickelt. Mit seinem „Fallingwater“ -Haus zum Beispiel konfrontierte der amerikanische Meister Frank Lloyd Wright den dramatischen Wasserfluss mit starken horizontalen Linien, um das Naturerlebnis zu steigern. Seitdem ist der Wasserverbrauch in der Architektur vielfältiger und komplexer geworden. Mit Isamu Noguchis Entwurf auf der Osaka World Expo entstand ein Raum, der fast nur aus Wasser bestand. Das glitzernde Wasser schien aus dem Nichts zu fallen und leuchtete im Dunkeln. Später, mit der Digitalisierung und fließenden Formen als Gestaltungsparameter, verlagerte sich der Fokus auf eine flüssige Architektur aus Wasser und Licht. Die Interpretationen reichten von architektonischen Formen, die an wörtlichen Wassertropfen modelliert wurden, wie Bernhard Frankens visionärer Bubble für BMW, bis hin zu spektakulären begehbaren Installationen aus Wasserlinien, die durch Licht in Pixel umgewandelt werden.

HtwoOexpo, Interaktives Museum. Neeltje Jans Island, Niederlande, 1997. Architekt: NOX, Lars Spuybroek. Bild © NOX / Lars Spuybroek

Mit der Ausstellung von realem und virtuellem Wasser auf der Htwo0expo in Neeltje Jans (Niederlande) im Jahr 1997 heizte NOX die Diskussion über die Strömung von Wasser und Licht an. Hier gab Lars Spuybroek in einer fensterlosen und amorphen Innenstruktur dem echten Wasser die Rolle von Da es nicht interaktiv ist, entsteht ein versprühter Nebel, der über die Böden läuft. Als Kontrapunkt führte NOX virtuelles Wasser durch interaktive Projektionen mit Sensoren ein, die Wellenmuster in Wellen und Flecken verwandelten, die zu faszinierenden Zuschauererfahrungen von Wasser und Licht führten.

Isländischer Pavillon. Hannover, Expo 2000. Bild © Thomas Schielke

Im Gegensatz dazu wurde der Island-Pavillon auf der Expo 2000 mit einer Wasserfassade begrüßt. Island, umgeben von Wasser und mit zahlreichen sprudelnden Geysiren auf der Insel, präsentierte in Hannover einen auffälligen blauen Membrankubus. Ein fließender Wasserfilm machte den Pavillon zu einem kubischen Wasserfall. Mit der Sonne, die auf die kaskadierenden Wellen scheint und dadurch die sich bewegenden Wolken reflektiert, erzeugt die Fassade einen frischen und funkelnden Eindruck der Umgebung. Der isländische Pavillon enthüllte zudem einen künstlichen Geysir im Inneren, wo die Gäste eine Spiralrampe hinaufklettern konnten, um die Kraft des Wassers zu bewundern. So spielte die Installation mit einer starken Polarität von hellem, glänzendem, fallendem Wasser draußen gegenüber einem dunklen Geysir, der innen mit Bühnenbeleuchtungseffekten beleuchtet wurde. Nach der Expo wurde der 28 Meter hohe blaue Kubus recycelt, um Naturphänomene im Vergnügungspark Universe in Nordborg, Dänemark, zu präsentieren.

Gebäude verwischen. Ausstellungspavillon: Swiss Expo, Yverdon-Les-Bains, 2002. Architekten: Diller Scofidio + Renfro. Bild © Diller Scofidio + Renfro

Im Vergleich zum Falling Water Theme in Hannover gewann die Swiss Expo in Yverdon-Les-Bains im Jahr 2002 mit dem bemerkenswerten "Blur Building" von Diller Scofidio + Renfro internationale Anerkennung. Feiner Nebel aus 35.000 Hochdruckdüsen erzeugte eine künstliche Wolke, die sich mit der Stärke und Richtung des Windes veränderte und den Weg der Touristen veränderte, um die Wirkung eines optischen Weißlichts zu untersuchen. Durch das Öffnen des Mundes konnten die Besucher tatsächlich das Gebäude trinken. Nach dem Aufstieg zum Deck öffnete sich ein Blick sanft in den blauen Himmel. Auf diese Weise konfrontierten die Architekten das Publikum mit extremen Wechselwirkungen von Licht und Wasser, von diffusem Weiß im Inneren über brillante feine Wassertröpfchen in der Sonne bis hin zu farbenprächtigen Regenbogeneffekten. Nach Sonnenuntergang erschien ein anderes Bild, als sich die Architektur in eine mächtige und mystische Leuchtwolke am Neuenburgersee verwandelte.

Olafur Eliasson: Der reflektierende Korridor, Entwurf zum Abbruch des freien Falls, 2002. (Der reflektierende Korridor, Entwurf zum Stoppen des freien Falls, 2002). Fotograf: Werner J. Hannappel. Mit freundlicher Genehmigung des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna. Bild © 2002 Olafur Eliasson

Mehrere andere Architekten und Künstler haben jedoch auch die Auswirkungen von Licht und Wasser in einer streng kontrollierten Innenumgebung untersucht. Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson versuchte 2002, ein Bild von gefrierenden Wassertropfen zu erzeugen. Tief im Keller einer ehemaligen Brauerei profitierte Eliasson von einem komplett dunklen Raum als schwarzer Hintergrund im Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna. Deutschland. Zwei parallele Wasservorhänge umrahmen einen Korridor aus Wasser, der 5 Meter zu Boden fällt. Aufgrund heller Blitzlampen mit kalter Farbtemperatur wirken die fallenden Tropfen wie eingefroren. Die Mischung aus dem lauten Geräusch fallender Wassertröpfchen im lebenden Raum und dem harten Kontrast weißer Tropfen in einem dunklen Raum fasziniert die Betrachter definitiv.

Fasziniert von der Digitalisierung hat der MIT-Professor Carlo Ratti zusammen mit seinem Team von Carlo Ratti Associati und Forschern des MIT Media Lab und des MIT Senseable City Lab den „Digital Water Pavilion“ für die Zaragoza Expo, Spanien, im Jahr 2008 geschaffen Wassertröpfchen ermöglichten es ihm, zweidimensionale Muster mit Wasserpixeln zu erzeugen und die traditionelle Gebäudewand zu liquidieren. Für die Besucher öffnete sich der Wasservorhang interaktiv und der vertikal bewegte Vorhang zeigte ein faszinierendes spielerisches Muster. Abends verstärkte die Beleuchtung den Kontrast des hellen Vorhangs gegen den dunklen Hintergrund.

Random International ging 2012 mit seiner dreidimensionalen Wasserinstallation „Rain Room“ im Barbican Centre in London über diese zweidimensionalen Wasservorhänge hinaus. Der Besucher konnte tatsächlich durch das fallende Wasser laufen, ohne nass zu werden, dank einer Serie von Kameras, die geschaffen wurden Eine 3D-Karte der Anwesenheit und der Bewegung von Besuchern wurde im Regenraum erstellt, wo immer menschliche Präsenz herrschte. Ein heller Scheinwerfer auf Augenhöhe am Ende des dunklen, kurvigen Korridors zog die Betrachter mit einem grellen Licht an und machte alle vertikalen Regenlinien scharf für ein kontrastreiches Experiment.

Luce Tempo Luogo, 2011. Milano. Architekten: DGT Architects. Fotograf: Niki Takehiko. Bild © DGT Architects

Wenn man den stroboskopischen Lichteffekt, den Eliasson in Unna verwendet, zusammen mit der konstanten Beleuchtung im Regenraum von Random International mitbringt, entsteht eine neue Dimension des Lichterlebnisses, in der sich das Wasser aus Tröpfchen in Linien verwandeln kann. DGT Architects nutzten diesen Ansatz in ihrer rechteckigen Installation „Luce Tempo Luogo“ für den Toshiba Milano Salone im Jahr 2011. Mit sieben Mikrosekunden Abstand bildeten sie einen einzigen Lichtpunkt mit Wasser. Über mehrere Minuten hinweg konnten die Zuschauer jedoch die allmähliche Umwandlung von Wasserpixeln in Linien verfolgen, während sich der Raum von einem schwach beleuchteten Raum zu einem ausschließlich aus beleuchtetem Wasser bestehenden Raum wandelte. Im Jahr 2015 haben die Architekten von DGT dieses Konzept im Rahmen der Ausstellung „Lumière - Das Spiel der Brillanten“ in Paris in einem kreisförmigen Grundriss für die Installation „Light in Water“ angepasst. Darüber hinaus beinhaltete dieses Projekt eine geringfügige Lichtänderung in Bezug auf die Farbtemperatur von warmweiß bis neutralweiß für den Außenring, während der Innenring in Neutralweiß konstant blieb.

Licht im Wasser, 2015. Paris. Architekten: DGT Architects. Fotograf: Takuji Shimmura. Bild © DGT Architects

Im Vergleich zu den begehbaren und in sich abgeschlossenen Installationen der oben genannten Künstler und Architekten betrachten Shiro Takatani und der Lichtkünstler Christian Partos den Würfel „3d ​​Water Matrix“ als Medium und nicht als Kunstwerk - vergleichbar mit dem So ist ein Klavier ein Medium für die Musik, die es sendet. Der digital gesteuerte Wasserfall mit einer Lichtdecke ermöglicht zahlreiche Kompositionen, in denen die Wasserpixel Linien, Ebenen oder amorphe Volumen bilden, die fließend von einem grafischen Muster zum nächsten übergehen und so eine tanzende Flüssigkeitsskulptur bilden. Takatani bezog jedoch die Frequenz des Lichts als einen weiteren Parameter für das Zusammenstellen von Mustern in seiner „ST / LL“ -Projektarbeit im Jahr 2015 ein. Aufgrund der Lichtintervalle des Feldoverheads erzeugte er außergewöhnliche Bilder, bei denen die flüssigen Pixel in Ebenen und Volumen zu frieren scheinen .

Mit der Digitalisierung des fallenden Wassers hat das Element seine natürlichen Strömungen und Wellen aufgegeben und sich in raffinierte Pixelmuster für Flüssigkeitsräume verwandelt. Die Reaktion auf die Unterscheidung von Wasserpixeln und Nichtpixelräumen hat zu kontrastreichen Installationen von weißen Tröpfchen in schwarzen Räumen geführt. Die Faszination digitaler Prozesse hat sich daher auch auf das Licht ausgedehnt. Designer bevorzugen oft elektrisches Licht anstelle von natürlichem Tageslicht, um eine präzise Steuerung zu ermöglichen. Aufgrund der Modulation dieser Tröpfchen von Pixeln zu fallenden vertikalen Strömen hat sich die Aufmerksamkeit von herkömmlichen Lichtparametern wie Helligkeit oder Farbtemperatur auf den Zeitpunkt und die Häufigkeit der Beleuchtung verlagert. Da das Zusammenspiel von digitalen Wasserpixeln und digitaler Lichtsteuerung gerade erst begonnen hat, könnten wir daher viel mehr Lösungen für intelligente, fliegende Pixel erwarten, die in der Zukunft leuchten.

Light matters, eine monatliche Kolumne über Licht und Raum, wird von Thomas Schielke geschrieben. Der in Deutschland ansässige Architekt ist fasziniert von Architekturbeleuchtung und arbeitet als Redakteur für das Lichtunternehmen ERCO. Er hat zahlreiche Artikel veröffentlicht und die Bücher "Light Perspectives" und "SuperLux" mitgearbeitet. Weitere Informationen finden Sie unter www.erco.com, www.arclighting.de oder folgen Sie ihm unter @arcspaces.

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